Hätte die Industrie den Klimawandel verhindern können?

Ausgabe Juni 2018

Kann ich mir denn sicher sein, dass sie Umweltfreunde sind? Ich denke schon. Bei SHELL oder anderen Ölmultis bin ich mir allerdings sicher, SIE sind es NICHT.

Im Spiegel habe ich vor wenigen Tagen den Artikel „31 Seiten Schocklektüre“ über SHELL gelesen. Da wurde erläutert, dass Shell schon vor 30 Jahren bestens über den Treibhauseffekt informiert war. Vor mehr als 30 Jahren beauftragte der Ölkonzern sechs konzerneigene Wissenschaftler damit, sich dem Thema Treibhauseffekt anzunehmen. Die Forscher schildern in ihrem Werk unter anderem über den zukünftig ansteigenden Meeresspiegel, die Abnahme der polaren Eismassen oder die häufiger auftretenden Extremwetterereignisse.

Heute sind das keine großartigen Neuigkeiten mehr, vor 30 Jahren jedoch schon. Die Shell-Manager wussten, welche Auswirkungen der Treibhauseffekt auf die Menschheit haben würde. Sie wussten um die Problematik mit der Versorgung mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln. Sie wussten, dass der Wohlstand in vielen Teilen der Welt bedroht sei.

Doch warum unternahm Shell nichts?

Die beauftragten Forscher teilten dem Konzern schon damals eine gewisse Mitschuld am Klimawandel zu. „Von den weltweiten CO2-Emissionen des Jahres 1984 gingen immerhin 4% auf Shell-Öl, Shell-Gas und Shell-Kohle zurück“, so heißt es im Spiegel. Trotz all dem Wissen, welches zu dieser Zeit goldwert gewesen ist, entschieden sich die Shell-Manager weiter in die Erschließung immer neuer Vorkommen von Öl, Kohle und Gas zu investieren.

Doch damit noch nicht genug. Mindestens genauso schlimm finde ich die Tatsache, dass sich Shell 1989 mit weiteren Ölmultis zusammenschloss, um die Öffentlichkeit am Wahrheitsgehalt der Klimaforschung zweifeln zu lassen.

Nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte, stellte ich mir die Fragen:

Warum hat Shell das gemacht? Hatten sie eine Alternative?

Ich hoffe, dass wir uns da alle einig sind. Shell hätte anders handeln müssen. Doch Shell ist nun einmal in der Mineralöl- und Erdgasbranche zu Hause. Eine Strategieänderung hieße, riesige Investmentsummen in die Entwicklung neuer Geschäftspotenziale im Bereich erneuerbarer Energien zu tätigen. Auch der Verlust vieler Arbeitsplätze hätte eine Folge sein können. Doch all dies wäre nur möglicherweise eingetreten.

Man kann nie wissen, wie es aussehen würde, wenn Shell damals anders gehandelt hätte. Doch das die Menschheit, das Leben auf der Welt, andere Menschen, einem Konzern und den einzelnen Managern ich sag mal egal sind, dass ist in meinen Augen nicht verständlich und auch schockierend zu wissen.

Shell hätte damals enorm zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen können, sie verfügten über Wissen, welches zu dieser Zeit extrem wertvoll gewesen war, doch stattdessen bauten sie weiter die Öl- und Gasförderung massiv aus. Mit was für einem Gewissen konnten die Manager vor 30 Jahren weiter zur Arbeit gehen? Wie kann ein Konzern solche drastischen Folgen auf der Welt leugnen und sogar sich vehement gegen den Klimawandel aussprechen? Ich verstehe es wirklich bis heute nicht! Shell hatte Möglichkeiten anders zu handeln. Ich denke, dass die Gesellschaft, die Regierung solch ein verhalten nicht tolerieren sollte bzw. darf. Hier geht es um das Leben auf der Welt. Dies betrifft uns alle, auch Shell!

Einige Umweltorganisationen wollen Shell nun verklagen. Shell solle seine Politik ans Klimaabkommen anpassen, so sagen einige Organisationen. Für mich ein richtiges Zeichen. Auch wenn es schon zu spät sein könnte.

Ketzer, Joel (Juni 2018)

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